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Vom Cakewalk zum Jazz: Deutsche in Amerika – Afroamerikaner in Deutschland


(Vortrag gehalten beim 4. Diskographentag der Gesellschaft für historische Tonträger am 24. Januar 2004, unter dem Motto: „...und wie passt das zusamm’...?“




1. Einleitung

Veröffentlichungen zur Jazzgeschichte und zur Jazzdiscographie wurden in den zwanziger und dreissiger Jahren vor allem von europäischen Autoren vorgelegt. Deren Informationen waren geprägt durch die ihnen zur Verfügung stehenden Schallplatten – Informationen aus zweiter Hand und ohne die persönliche Erfahrung des soziokulturellen Kontextes, in welchem afroamerikanische Musikformen in den USA entstanden waren.

Die Problematik liegt auf der Hand: So war zB. die Auswahl der verfügbaren Schallplatten eher zufällig, alternative und frühere Medien (etwa Phonographenwalzen oder mechanische Musikgeräte) waren nicht mehr präsent. Die Zeit vor dem Entstehen der ersten Tondokumente lag im Nebel - was nicht auf Schallplatten nachweisbar war, war nicht Realität. So können wir noch heute in manchen Büchern lesen, dass Europäer erst durch die Besuchsreisen des amerikanischen Marschmusikdirigenten John Philip Sousa mit Cakewalk und Ragtime in Berührung kamen, dass der Jazz von weissen Musikern „erfunden“ wurde, dass die ersten Aufnahmen schwarzer Sänger Anfang der zwanziger Jahre in den USA entstanden., dass die ersten Afroamerikanischen Entertainer und Musiker 1925 mit der „Revue Nègre“ nach Deutschland kamen.

Könnte es sein, dass unsere Fixierung auf Schallplatten uns in die Irre geleitet hat? Wie und wann sind afroamerikanische Musikformen nach Europa gekommen? Wie war die Rezeption dieser Musikformen durch Europäer? Gab es eine interkulturelle Kommunikation?

Über 200 Jahre Musikleben in den USA waren durch Europa dominiert, nicht zuletzt durch Deutschland. Das erste amerikanische Orchester, das jemals nach Europa reiste, war Frank Johnson’s Blaskapelle. Das war 1837. Frank Johnson und alle seine Musiker waren schwarz. Sie spielten europäisches Repertoire.

Das als „Tin Pan Alley“ bekannte Phänomen des amerikanischen Musikbusiness entstand erst in den 1890er Jahren. Dann allerdings kamen in immer grösserer Zahl Musiknoten mit afroamerikanischen Einflüssen auf den Markt: Cakewalk, Ragtime, Coon Song, usw. Meine Recherchen haben verblüffenderweise ergeben, dass diese Musikformen schon vor der Jahrhundertwende auch von deutschen Musikern in den USA vorgetragen wurden.

2. Deutsche Wandermusiker in den USA

Im 19. Jahrhundert waren weite Teile Deutschlands verarmt, insbesondere im nicht industrialisierten Hinterland, und ganz besonders in den landwirtschaftlich marginalen Gegenden (Westerwald, Eifel, Schwarzwald, Salzgitter, Erzgebirge, usw). Vor dem Hintergrund dieser Notlage entwickelt die Bevölkerung als Überlebensstrategien Auswanderung, Heimarbeit, Wanderarbeit. Nehmen wir als Beispiel die Westpfalz. Die Gegend zwischen Kaiserslautern und Kusel war als das sogenannte Musikantenland bekannt.



1910 waren 10% der Einwohner – insgesamt 65 Mann - aus dem Flecken Hohenölle als Berufs-Wandermusiker in der ganzen Welt unterwegs. Vor allem in England und in den USA, aber auch in Asien und Afrika.


[Abbildung 2: Kapelle Jung aus St.Julian/Pfalz in Ägypten, um 1900].


Dort wie in den USA kamen die deutschen Musiker unvermeidlich in Kontakt mit der gesamten Bevölkerung, ob schwarz oder weiss


[Abbildung 3: Kapelle Backes aus Jettenbach/Pfalz spielt für Gefängnisinsassen um 1900].


Die Situation änderte sich natürlich mit dem ersten Weltkrieg: ab 1914 waren Engagements in Grossbritannien und ab 1917 auch in den USA nicht mehr möglich. Nach dem Kriege jedoch nahmen die Wandermusiker ihre Tätigkeit wieder auf, deutsche Musiker waren in den USA selbst zu Zeiten der grossen Depression tätig.


[Abbildung 4: Kapellmeister Heinrich Jacob, der Sänger ist ... Frank Sinatra, 1932].


Nun erhebt sich die spannende Frage: Was und wie haben diese Musiker gespielt? Als professionelle Unterhaltungsmusiker mussten sie logischerweise das gesamte Repertoire nach Noten beherrschen, also auch Ragtime, Cakewalks, Twosteps und andere amerikanische Modetänze mit afroamerikanischem Hintergrund. Tatsächlich lässt sich dieser Nachweis führen, und zwar anhand der Stimmbücher von Wandermusikanten, die zT in Heimatmuseen überlebt haben.

Tabellarische Aufschlüsselung von 5.929 in Stimmbüchern westpfälzischer Wandermusikanten zwischen 1870 und 1914 aufgeschriebenen "Piècen"


1.Europäische Gesellschaftstänze aus dem 19. Jahrhundert
Bezeichnung Anzahl Titel Anteil in %
Marsch 1.394 23,5
Walzer 1139 19,2
Polka 381 6,4
Rheinländer 196 3,3
Galopp 136 2,3
Schottisch 103 1,7
Mazurka 79 1,3
Länder 44 0,7
Polonaise 22 0,4
Gavotte 13 0,2
59,1


2.Amerikanische Modetänze/Ragtime-Abkömmlinge
Bezeichnung Anzahl Titel Anteil in %
Two Step 162 2,7
Quick Step 33 0,6
Cake Walk 26 0,4
One Step 19 0,3
Barn Dance 16 0,3
4,3


3. Nationaltänze (Tango, Reel, Krakowiak, Csàrdàs, Hornpipe, etc.)
Insgesamt 31 0,5
0,5


4. Liedgut
Bezeichnung Anzahl Titel Anteil in %
Volsklied, Hymmnen 1228 20,7
Potpourris 246 4,1
24,9


5. Aus Oper und Konzert
Bezeichnung Anzahl Titel Anteil in %
Charakterstücke 242 4,1
Potpourris 178 3,0
Ouvertüren 114 1,9
Lancers, Quadrillen 75 1,3
Fantasien 28 0,5
Oratorien 24 0,4
11,1


Unser Beispiel bildet eine Zeitspanne von 45 Jahren ab, 1897-1914. Zwar sind lediglich 4,3% amerikanische Modetänze. Aber es ist zu bedenken: Diese Tänze waren nur ab etwa 1895-1900 im Druck; in dieser Periode dürften sie das wohl dominierende Element von vielleicht bis zu 50% gewesen sein.

Von den deutschen Wandermusikern dieser Zeit gibt es keine Tondokumente wohl aber von sogenannten Musikautomaten. In den armen Bergtälern, im Schwarzwald, im Erzgebirge fabrizierten die in der Heimat verbliebenen Heimarbeiter mechanische Musikgeräte für den Export. Verblüffend ist, dass diese Leute, die nie in St.Louis oder Sedalia waren, exzellente Ragtime-Stücke auf Klavierrollen und Symphonion-Geräten (Metall-Musiknoten-Scheiben) arrangierten.


[Abbildung 6: Cakewalk Symphonion-Metallnotenscheibe].


Hierfür möchte ich Ihnen ein akustisches Beispiel geben, den „Whistling Rufus Cake Walk“ [Musikbeispiel aus dem Jahre 1899 von einer Metallnotenscheibe, CD aus dem Buch „Black People“, Bonn, 1997]

Fazit: Lange bevor Sousa angeblich den Cakewalk nach Europa brachte, spielten deutsche Musiker afroamerikanische Tänze in den USA für Amerikaner; deutsche Heimarbeiter produzierten afroamerikanische Tänze auf mechanischen Geräten für den Export in die USA.



2. Afroamerikanische Musiker in Deutschland

Als im Jahre 1865 in den USA die Sklaverei abgeschafft wurde, war die soziale und ökonomische Situation der schwarzen Bevölkerung desolat, die Alphabetisierungsquote lag bei 5%. Der theoretischen Befreiung folgte eine zunehmend bösartige Diskriminierung: Schon 1867 wurde der Ku-Klux-Clan gegründet. Zum ausgehenden Jahrhundert, während der „Terrible Nineties“, wurden Lynch-Veranstaltungen bisweilen in Zeitungen angekündigt wie ein Picknick, zu welchem wie bei einer Jahrmarktsveranstaltung oder einem Konzert gar Sonderzüge eingesetzt wurden. Trotz aller Widerstände lag dennoch um 1900 die Alphabetisierungsquote bei 50%. Damit wurde die schwarze Bevölkerung auch eine wirtschaftliche Konkurrenz um knappe Arbeitsplätze, und dies wiederum führte zu weiterer Verfolgung und Diskriminierung.

Die schwarze Bevölkerung entwickelte ihrerseits Überlebensstrategien, die denen der armen Europäer nicht unähnlich waren: Wahl von Berufssparten, in denen Weisse ex definitione nicht konkurrieren (zB „Nigger song & dance“), Süd-Nord-Migration innerhalb der Staaten sowie Gastspielreisen ausserhalb der USA und schliesslich die Emigration.

Meine Recherchen haben einen heute fast vergessenen, enormen Zustrom schwarzer Künstler nach Europa ergeben.

Ich will nur exemplarisch einige Beispiele anführen. William Foote´s „African American Character Concert Company“ ist mit etwa 40 Mitgliedern im Jahre 1891 in Hamburg an Land gegangen. Verschiedene Mitglieder dieser Truppe sind für immer in Europa geblieben.

„Der Artist“ ist der Name der bedeutendsten Fachzeitschrift für deutsche Unterhaltungskünstler und reisenden Musiker. Allein für den Jahrgang 1896 lassen sich über 100 schwarze Künstler namentlich nachweisen. Das ist sicher nur die Spitze des Eisberges, denn die Zeitschrift erschien natürlich in deutscher Sprache, und die Zielgruppe waren deutsche Artisten. Sicher haben diese Künstler auch in Europa, auch in Deutschland unter Diskriminierung gelitten. Andererseits konnten sie ein privates und professionelles Leben führen, das in den USA undenkbar gewesen wäre. Ein Ausdruck dessen sind die vielen gemischtrassigen Paare, darunter viele Ehepaare. „Black & White“ war geradezu eine Markenbezeichnung für Variete-Nummern, die in der Regel als „Song & Dance“-Attraktionen auftraten.




[Abbildung 8: „The New York Trio mit Miss Violette“, und Abbildung 9: „Dixy Davis & Yambo“].


Wie nun muss man sich diesen „Nigger Song & Dance“ vorstellen? Es gibt einige wenige zeitgenössische Kurzfilme, die uns davon zumindest einen optischen Eindruck vermitteln. Zu diesen Filmen wurden oft Schallplatten synchron abgespielt, die speziell für diesen Zweck aufgenommen worden waren. Leider sind von den Filmen die zugehörigen Platten verschollen, und zu den in Sammlungen nachgewiesenen Platten fehlen die entsprechenden Filme. Die Banjo-Begleitung („Peaceful Henry“ von Charlie Rogers) zu den vier Kurzfilmen, die ich Ihnen jetzt vorstellen möchte, ist zwar zeitgenössisch und passt auch perfekt zur musikalischen Untermalung, doch habe ich sie erst nachträglich ausgewählt. Der erste Kurzfilm ist im Nouveau Cirque in Paris gedreht worden. Beachten Sie die gleichzeitige Bühnen-Darbietung von schwarzen und weissen Tänzern. [FILM-BEISPIEL: Cake Walk au Nouveau Cirque, 1901]. Der zweite Film zeigt einen weissen Artisten, der afroamerikanischen Stepptanz zu Banjobegleitung vorführt – der Banjospieler ist links im Bild zu sehen . [FILM-BEISPIEL: Stepptanz mit Banjobegleitung, ca 1905]..Und zum Abschluss 3 verschiedene „Takes“ einer typischen Pickaninny-Show, bei welcher afroamerikanische Kinder unter der Anleitung eines schwarzen Impresario auf der Bühne Kobolz schlagen.[3 FILM-BEISPIELE: Belle Davis mit ihren drei Pickaninnies 1906]. Der Impresario war in diesem Falle Belle Davis aus New Orleans, die so hellhäutig war, dass sie sich in den USA als Neger schminken musste, um auf der Bühne auftreten zu dürfen.

FAZIT: Wir können mit Sicherheit davon ausgehen, dass schwarze Künstler schon vor über 100 Jahren in Deutschland in grosser Zahl aufgetreten sind und im Zweifel auch afroamerikanische Musik und Tänze vorgeführt haben.

Die Frage bleibt: Wie hat sich die Musik angehört? Stimmt es, dass der Blues und andere afroamerikanische Musikformen erst in den frühen 20er-Jahren entstanden sind? Beginnend mit den ersten Plattenaufnahmen von Mamie Smith?

Bei meinen Recherchen bin ich auf das Foto einer Kapelle gestossen, die man im heutigen Sprachgebrauch nach den verwendeten Instrumenten als typische „Tub-, Jug- und Spasm-Band“ bezeichnen würde. Zwar ist das Foto offensichtlich inszeniert und kein Schnappschuss, dennoch ist es sensationell, denn es wurde schon vor der Jahrhundertwende als Postkartenvorlage verwendet, was sicher den Schluss zulässt, dass es sich um eine oft zu beobachtende Szene handelt.


[Abbildung 10: Postkarte von 1893: Coon Creek Rehearsal in Florida]


Wie mag die Musik geklungen haben? Wir wissen es nicht mit Sicherheit; denn die ersten Aufnahmen von Washboard-Gruppen stammen aus den Zwanziger-Jahren. In den letzten Jahren sind jedoch einige sehr frühe Tondokumente bekannt geworden, die den Forschern bisher entgangen waren, die sich mit den Vorformen von Jazz und Blues befasst haben. Ich spiele Ihnen nun den Titel „Poor Mourner“ von einer einseitigen Platte aus der Produktion von Emil Berliner aus dem Jahre 1897. [Musikbeispiel: „Poor Mourner“ von Cousin & Moss, 1897; von der Document CD DOCD5216, „Too Late, Too Late“] Es ist ganz offensichtlich, dass die beiden Banjo-Duettisten Schwarze sind und im afroamerikanischen Musikspiel musizieren.

Und tatsächlich gibt es Belege dafür, dass diese Art von Musik auch in Europa vorgeführt und sogar auf Schallplatten aufgenommen wurde. Belle Davis, deren Filme wir gerade gesehen hatten, gehört ebenso dazu wie das Ehepaar Pete Hampton und Laura Bowman.


[Abbildung 11: Hampton & Bowman, Mundharmonika und Banjo]


Von Pete Hampton möchte ich Ihnen jetzt ein Musikbeispiel aus dem Jahre 1904 zu Gehör bringen [Musikbeispiel: „I´m Going To Live Anyhow Till I Die“, 1904; von der CD „Black People“, 1997]. Wiederum ist unverkennbar, dass Hampton in einem afroamerikanischen Musikstil vorträgt - die Mundharmonika bläst er übrigens, wie auf dem Foto zu sehen, mit der Nase.

Die Mobilität der schwarzen Entertainer in Europa ist heute fast unvorstellbar. Im Friedenseuropa vor 1914 gab es globale Reisemöglichkeiten, ohne Reisepass und Visum. Auch Afroamerikaner benötigten keinen Pass, es sei denn in Ausnahmefällen zum Nachweis der Identität, zum persönlichen Schutz in Krisenfällen oder zur Einreise in das zaristische Russland (dem einzigen Land mit derartigen Vorschriften). Die modernen Massenmedien Radio, Fernsehen und Internet waren noch nicht erfunden, Schallplatten und Filme waren teuer. Die Abendunterhaltung unserer Grossväter fand in Kneipen, Theatern, Konzertsälen und vergleichbaren Etablissements statt. Woche für Woche mussten neue Programme zusammengestellt werden. Dies setzte ein ausgeklügeltes System von reisenden Schaustellern und Zirkusunternehmen voraus, mit eigenen „Advance Agents“ und eigenen Eisenbahnzügen; Impresarios veranstalteten Konzertreihen; die Variete-Bühnen-Gastspielreisen setzten Vaudeville- und Theater-Ketten, mit ausgeklügelte Logistik voraus. Diese Infrastruktur bot den afroamerikanischen Besuchern ein Auskommen. Es ist nicht verwunderlich, dass viele der Besucher aus Amerika sich auf Dauer hier niedergelassen haben, z.T. nach einer Weile auch in Berufen ausserhalb der Unterhaltungsbranche.
[Abbildung 12: Arthur French, 1910] Einer der Musiker auf dem Foto der Gruppe um Arthur French, George Vaze, wurde durch seinen Aufenthalt in Europa so polyglott, dass er später Mitarbeiter an der US-Botschaft in Berlin wurde, wo er bis in die 30er Jahre tätig war.

Einer der kleinen Jungen auf dem Film mit Belle Davis hat als erwachsener Mann seine eigene Revue-Truppe zusammengestellt: Louis Douglas. Berlin ist zur zweiten Heimat dieses begnadeten Tänzers geworden, 1930 hat er in mindestens zwei Abendfüllenden Spielfilmen mitgewirkt [Filmausschnitt: Einbrecher, 1930, mit Sidney Bechet]. Nach 1933 wurden seine Möglichkeiten in Deutschland eingeschränkt, krank und verarmt ist er 1939 in New York verstorben.


3. Deutsche Kolonial-Neger

Ein interessantes Phänomen, bisher völlig unerforscht, sind die Einwohner aus den deutschen Kolonien in Afrika. Wie schon gesagt: Schwarze waren ein nicht ungewöhnliches Bild auf den Strassen Deutschlands.


[Abbildung 13: Brandenburger Tor mit „Negertype“]


Beim Militär und in Missionsstationen wurden Afrikaner auch an Musikinstrumenten ausgebildet.


Abbildung 14: Musik-Kapelle in Tanga]´


Natürlich war das Bild des Kolonial-Negers in Deutschland mit Klischees belastet.
Sicher hatten es auch in Deutschland sehr viele Einwanderer aus den Kolonien geschafft, in verschiedenen Berufssparten tätig zu werden. Die meisten freilich wurden, wie in den USA und Grossbritannien jedoch gezwungen, ihren Lebensunterhalt als Variete-Künstler zu fristen, in den 20er-Jahren zumeist als Schlagzeuger. Ein interessanter Lebenslauf ist der von Willie Panzer, Sohn eines Negers aus Somaliland und einer deutschen Variete-Künstlerin. Willi MacAllen (wie er zu diesem Namen kam, habe ich nie herausfinden können), machte sich einen Namen als Kinderdarsteller in Stummfilmen.


[Abbildung 16: Delog-Film: als „Kronprinz von Dahomey“ in „Wenn die Liebe nicht wär“]


Er war nach seinen eigenen Angaben die Vorlage für die berühmte Sarotti-Werbefigur.


[Abbildung: 17: Sarotti-Mohr]


Und auch er ist letztlich Jazz-Schlagzeuger geworden. Die Nazizeit hat er in der neutralen Türkei als Musiker verbracht, nach dem Kriege ist er nach Deutschland zurückgekehrt.


[Abbildung 18: Orchester1930 und Band 1954]


Er wurde eine bekannte Persönlichkeit in der Jazz-Szene in Nachkriegsdeutschland. Ich beschliesse meine Ausführungen mit einem letzten Musikbeispiel, eine Jazzplatte aufgenommen 1952 in Berlin auf Veranlassung von deutschen Jazzplattensammlern: Es ist eine gemischtrassige Gruppe mit deutschen Musikern und MacAllen am Schlagzeug, sie spielen „You And I Baby“ [Musikbeispiel:“You And I, Baby“, Frank Big Boy Goudie, 1952; von CD „Black People“, 1997]. Als Verfolgter des Naziregimes bekam MacAllen eine Rente, bedauerlicherweise hat er sich als Alkoholiker buchstäblich zu Tode getrunken.

Fazit: Was du schwarz mit Mittelloch besitzt, kannst du getrost nach Hause tragen. Aber denken Sie daran: auch Schallplatten können uns unter Umständen in die Irre führen. Vielleicht konnte ich Ihnen einige Anregungen geben zum Motto: „und wie passt denn das zusamm’...?

www.vooch.at