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www.dismarc.org


Mike Gray

EINFÜHRUNG:
Einen schönen Nachmittag!

Ich möchte meine Präsentation mit einem Dank an die Gesellschaft für Historische Tonträger einleiten, die mich freundlicherweise zu diesem Diskographentag eingeladen hat. Ich empfinde es als besondere Ehre, hier vor einer Gruppe von Experten zu sprechen, die mit Eifer daran arbeiten, dass das Wissen um die Geschichte der Tonaufnahmen erweitert und für die Zukunft bewahrt wird.

Mein heutiger Beitrag wirft einen Blick „hinter die Kulissen“ auf die Dokumentenarchive der Schallplattenfirmen, die ich in den letzten dreißig Jahren in Amerika und Europa besucht habe. Ich begann diese archivarischen „Ausgrabungen“, um Diskographien von Musikern des „klassischen Genres“, wie z.B. der Dirigenten Artur Rodzinski und Sir Thomas Beecham, zu erstellen. Im Zuge dieser Forschungen bekam ich Zugang zu den Archiven von RCA Victor und Columbia Records in New York und zu den Aufnahmebüchern und –karteien der EMI in London.

Während der 80er Jahre veränderte sich meine Zielsetzung von den Aufnahmen einzelner Musiker zu den Aufnahmen der Schallplattenfirmen, die sie herstellten. 1984 begann ich zusammen mit Malcolm Walker in UK ein 10-Jahresprojekt zur Erstellung der Diskographie der klassischen Aufnahmen der Firma Decca. Im Rahmen dieser Tätigkeit mussten wir feststellen, dass Schallplattenfirmen oft die notwendige Dokumentation für einzelne Aufnahmen nicht erstellt oder nicht aufbewahrt hatten; dies trifft sogar für die in Wien vor kaum 50 Jahren hergestellten Aufnahmen zu.

Meine Archiverkundungen bewegten sich oft in den Fußstapfen von Diskographenkollegen, deren Namen vielen von uns geläufig sind, wie Brian Rust, Michel Ruppli, Ross Laird, Hansfried Sieben, Alan Kelly, Frank Andrews und Rainer Lotz mit seinen Mitarbeitern. Deren fortwährende Forschung, publiziert in Büchern, auf CD-ROMS oder im Internet, hat uns alle im Dokumentieren der Produktionen von größeren Schallplattenfirmen während der letzten 100 Jahre zusammengeführt.

Viel Arbeit ist natürlich noch zu leisten, um diese diskographische Initiative erfolgreich abschließen zu können. Ich habe mich entschlossen, meinen eigenen kleinen Beitrag zur Vervollständigung zu leisten, indem ich versuchte, die klassischen Instrumentalaufnahmen auf elektrischen 78ern in Amerika und einigen europäischen Ländern bzw. Schallplattenfirmen zu erfassen. In Paris habe ich auch die Produktion der Firmen Pathé und Polydor dokumentiert.

Bei meinen Forschungen bin ich zu Archiven überall in Amerika gereist und besuchte ebenso die Schallplattenfirmen in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Österreich. Eines Tages werde ich auch Italien besuchen, ein „weißer Fleck“ auf der Landkarte der Erforschung von klassischen Aufnahmen. Nun möchte ich Ihnen einige Dokumente, auf die ich im Zuge meiner Forschungen gestoßen bin, vorstellen.

EIN BLICK AUF EINE AUFNAHMESITZUNG
Auszüge aus den Zeitschriften „Ton und Schallplatte“ und „Die Tonwiedergabe“

Wir starten unsere archivarischen Erkundungen mit einer Rückblende um 70 Jahre, um zu beobachten, wie damals in Wien aufgenommen wurde. Da die Texte ziemlich selbsterklärend scheinen, habe ich Kopien für Sie vorbereitet.

Wiener Philharmoniker „session“
Unser erstes Beispiel zeigte eine HMV Aufnahmesitzung im Mittleren Saal [Konzerthaus] am Samstag, den 31. Jänner 1931. Dieses Datum wissen wir aus einigen HMV Dokumenten sowie aus dem Aufnahmebuch der Wiener Philharmoniker. Wir können hier einige wichtige Orchestermusiker von damals sehen. Der auf dem Photo erwähnte Herr Larter ist Douglas Larter, der im September 1923 zu HMV kam und der später einer der Hauptaufnahmetechniker für klassische Musik bei HMV wurde. Der Aufnahmeleiter Kober ist Georg Kober, der Generalvertreter der HMV für Österreich und künstlerischer Verantwortlicher für die Aufnahmesitzungen in Wien und anderen Städten seiner Region war.
Ultraphon „session“
Diese Serie von Beiträgen ist insofern interessant, als sie die Musiker bei der Aufnahme und auch die „Western Electric“ Aufnahmeapparatur, die von Ultraphon und Adler-Elctro benutzt wurde, zeigt. Achten Sie bitte auf den berühmten Aufnahmeleiter Herbert Grenzebach bei der Adler-Electro “session“. Er ist auch der Leiter der Ultraphon-Sitzung vom 12.2.1930 in der Berliner Singakademie. Bitte beachten Sie das Western Electric Mikrophon, das den Sänger [Wilhelm] Rode und das Orchester unter Selmar Meyrowitz einfängt.

Lindström Photos
Wir bleiben für weitere zwei Photos in Berlin. Das erste zeigt das Aufnahmestudio der Lindström-Company, das zweite wurde während einer Aufnahmesitzung mit einem unbedeutenden und wenig aufgenommenen Künstler namens Dajos Bela (!) gemacht. Achten Sie auf die zwei Western Electric Mikrophone, eines für das Orchester und das zweite für den Geiger.

EIN BLICK AUF DIE DOKUMENTE – die Aufnahmesitzung
Es ist nicht überraschend, dass es aus der akustischen Zeit keine Aufnahmebögen gibt. Mit dem Aufkommen der elektrischen Aufnahme jedoch suchten die Aufnahmeingenieure nach einer Möglichkeit, die mechanischen und elektrischen Einstellungen ihrer Aufnahmeapparatur festzuhalten. Dies wurde auf demselben Aufnahmebogen vermerkt, auf dem auch die Titelangaben und die ausführenden Musiker notiert wurden.

Französische Polydor, HMV Frankreich, Deutsche Grammophon Aufnahmebögen
Hier sehen Sie die drei frühesten Beispiele solcher Aufnahmebögen, auf die ich gestoßen bin. Wie ersichtlich, beinhaltet jeder unterschiedliche Information in Art und Umfang. Obwohl sie sehr wichtige Originaldokumente darstellen, scheinen wenige, wenn überhaupt, aus der Zeit vor 1933 überlebt zu haben. Ich warte diesbezüglich gerne auf Korrekturen.

British Columbia Matrizen Karte – 1929
Der Prozess der Schallplattenaufnahme war mit der Aufnahmesitzung noch nicht abgeschlossen. Sie sehen ein Beispiel einer British Columbia Ingenieurs-Aufnahmekarte von 1929. In diesem Fall existiert das Aufnahmeprotokoll, markiert in der rechten Ecke mit R.S., nicht mehr; deshalb ist diese Karte der einzige Nachweis dafür, wann der „Master“ gemacht wurde.

French Pathé Matrizenbuch -1939
Gelegentlich erstellten Ingenieure ihre eigenen Dokumente mit Informationen, die anderweitig verloren gegangen wären. Dieses Dokument stammt von einem unbekannten Pathé Ingenieur aus Frankreich. Er stellte ein komplettes Verzeichnis aller Master, die von Pathé Ingenieuren zwischen 1939 und 1952 aufgenommen wurden. Viele der dazugehörigen Original-Aufnahmebögen dieser Master fehlen. Ich schulde seinem anonymen Gedächtnis großen Dank.

HAUPTBÜCHER
Die meisten Diskographien sind aus Dokumenten und Hauptbüchern zusammengestellt, die die Beziehung zwischen Künstler und Plattenfirma dokumentieren oder die aufzeigen, was ein Aufnahmeingenieur in einem speziellen Studio oder an einem bestimmten Ort aufgenommen hat. Diese Dokumente sind unterschiedlich gestaltet und wurden für verschiedene Zwecke hergestellt. Ich habe mich für Beispiele aus drei verschiedenen Kategorien entschlossen: Künstler- und Verrechnungsbögen, Matrixnummernlisten und Labelbücher, und Bücher, die zeigen, wann der Wachs-Master zur Weiterverarbeitung in der Fabrik eingelangt ist.

Künstler- und Verrechnungsbögen
Man könnte eine ganze Präsentation nur den unterschiedlichen Künstler- und Verrechnungsbögen widmen. Die ersten Beispiele dieser Art betreffen den Pianisten Wilhelm Backhaus, den Geiger Mischa Elman und Amerikanische Columbia-Aufnahmen des New York Philharmonic Orchestra.

Wilhelm Backhaus – HMV
Hier sehen Sie Ausschnitte vom Kontoblatt und Einträge einer Aufnahmeseite von Backhaus, eine aus dem Jahr 1909 und andere von 1923-25.

Mischa Elman – HMV und Victor
Hier sind Ausschnitte für Mischa Elmans Aufnahmen für die Victor Talking Machine und HMV zwischen 1913 und 1948. Beachten Sie die unterschiedlichen Anordnungen und Formate und die mit der Zeit zunehmende Informationsmenge.

Künstlerkarten des New York Philharmonic Orchesters – Amerikanische Columbia
Hier sind die Künstlerkarten für die Aufnahmen der New Yorker Philharmoniker – die einzigen Belege, die Auskunft über das tatsächliche Aufnahmedatum geben.

Marguerite Soyer – Französische HMV
Zusätzlich zu den Büchern erstellten einige Firmen Listen wie diese, die Aufnahmen ihrer Künstler beinhalten. Hier sehen sie eine solche der französischen HMV für die französische Sopranistin Marguerite Soyer. Beachten Sie bitte, dass man in Frankreich das genaue Aufnahmedatum nicht wusste. Nur die britischen Aufnahmeingenieure der HMV wussten das. Ihre Aufnahmeprotokolle und die exakten Daten liegen in London und nicht in Paris.

Vertragsbücher – HMV und British Columbia
Schlussendlich sollten wir nicht die rechtliche und finanzielle Seite des Schallplattengeschäftes vernachlässigen. Verträge z.B. können manchmal Informationen zu den Aufnahmesitzungen aufbessern, die aus keiner anderen Dokumentation ersichtlich sind. Hier ist eine Seite vom Anfang des Vertragsbuches des London Symphony Orchesters aus der Zeit von November 1926 bis November 1929. Da das Orchester manchmal auch unter einem anderen als seinem eigenen Namen aufnahm, können diese Einträge Informationen zu den Aufnahmesitzungen liefern, die nirgendwo sonst zu finden sind.


Und hier sind Auszüge eines British Columbia Vertrages für Bruno Walter. Beachten Sie, dass das Repertoire nicht, das Aufnahmedatum hingegen sehr wohl genannt wird.

LABELBÜCHER UND DOKUMENTE
Aufnahme- und Künstlerbücher sind die ersten Quellen für Archivinformationen zu Aufnahmen, die während der akustischen Ära entstanden sind. Sie sind aber auch für die Dokumentation in der elektrischen Ära sehr nützlich. Dazu vier Beispiele:

Deutsche Odeon – 1926
Das erste Beispiel sollte den Benützern von Hansfried Sieben’s außergewöhnlichen Diskographien der Deutschen Odeon und Parlophon vertraut sein. Diese Seite aus dem Odeon Buch ist vom November 1926.

British Columbia – 1928
Das zweite ist von einem einheimischen British Columbia Buch – die frühesten rühren von 1922 her. Diese Seite bezieht sich auf Aufnahmen, die in London am 12. und 13. Dezember 1928 gemacht wurden.

HMV Germany – 1931 und 1934
Die folgenden beiden Seiten dokumentieren die Aktivitäten des Aufnahmetechnikers Robert Beckett, der bis zum Sommer 1939 in Berlin für HMV tätig war.
Die erste veranschaulicht seine Tätigkeit für HMV in Kopenhagen im März 1931, die zweite für Electrola im August 1934. Sie wurden angelegt, um die Tantiemenabrechnung zu erleichtern. Viele wirkliche Aufnahmebögen, die Beckett’s tägliche Routinearbeit dokumentieren, haben im EMI-Archiv überlebt.

Ultraphon – 1931
Die letzte Seite zu dieser Thematik zeigt Master, die von Ultraphon 1931 in Prag aufgenommen wurden. Das ganze Konvolut endet im Jahr 1949, als die Firma von der kommunistischen Regierung übernommen wurde. Eines Tages wird Prag das Ziel meiner diskographischen Forschung für die Zeit nach 1949 sein.

MATRIZENEINGANGSHAUPTVERZEICHNIS
Viele Dokumente, die während der 78er Ära angelegt wurden, sind heutzutage nicht mehr vorhanden. Der Großteil der Aufnahmebögen der Deutschen Grammophon und alle der Electrola von 1939 – 1945 zum Beispiel sind während des zweiten Weltkrieges zerstört worden.

Deutsche Grammophon Eingangsverzeichnis-Eintragungen
Gott sei Dank haben einige der Matrizeneingangsbücher der Deutschen Grammophon überlebt. Sie dienten zum Eingangsnachweis, der an die Fabrik in Hannover geschickten Waxoriginale. Hier sind zwei Beispiele von zwei kompletten Büchern. Das eine beinhaltet die Aufnahmen von Aufnahmeingenieur Erlich oder das Suffix br/gr und bs/gs. Das nächste stellt Aufnahmen des Aufnahmeingenieurs Oskar Blasche, Senior mit dem Suffix Bd/gd und be/ge dar. Sein Sohn, Blasche Jun. nahm ebenfalls für die DG auf. Aus dem Vergleich dieser Bucheintragungen mit den vorhandenen Aufnahmebögen wissen wir, dass die Wachsplatten normalerweise innerhalb einer Woche nach der Aufnahme bei der Pressfabrik in Hannover einlangten und dabei registriert wurden. Deshalb können die Eintragungen in den Büchern mit Sicherheit stellvertretend für das Aufnahmedatum angesehen werden.

KORRESPONDENZ – Dr. Karl Böhm
Die Firmenkorrespondenz kann gelegentlich für die Datierung der Aufnahmen herangezogen werden. Da für den Zeitraum der Korrespondenz zwischen Electrola in Berlin und HMV in London die Aufnahmebögen von Beckett fehlen, sind diese Briefe, die sich auf Böhms Dresdner Aufnahmen beziehen, von größtem Wert.

DOKUMENTE VON „AUßEN“
Eine Aufnahmesitzung beinhaltet die Belange vieler Teilnehmer. Soweit es mir möglich war, habe ich diese firmenintern generierten Belange herausgefunden. Hier sind einige, die außerhalb der Firma entstanden sind.

Berliner Philharmoniker – 1936-1943
Die ersten drei Seiten fallen in die Kategorie „unbezahlbar“. Sie stammen von Tagebucheintragungen von Musikern der Berliner Philharmoniker zwischen 1936 und 1943. Neben den Eintragungen für Telefunken-Platten überlebten keine anderen Dokumente, aus denen die genauen Aufnahmedaten hervorgehen. Schlagzeuger und Streicher des Orchesters bewahrten diese Tagebücher auf. Aus ihnen geht hervor, wer für welche Aufnahmesitzung eingesetzt war und wie viel dafür bezahlt wurde.

Royal Philharmonic Orchestra – 1947-1962
Hier ist ein ähnliches Protokoll vom Kontrabassisten Gwydion Brook, der im Royal Philharmonic Orchester von Beginn 1946 bis 1962 spielte. Brook ist einer dieser wertvollen Menschen, der peinlich genau Anstellungsbücher führte und diese bei sich aufbewahrte. Der früheste Tagebucheintrag hält sein erstes professionelles Engagement im Jahr 1928 fest.

Decca Records Techniker-Tagebuch – 1954
Hier sehen Sie eine persönliche Tagebuchseite des Aufnahmeingenieurs Roy Wallace, der bei Decca die ersten Stereo-Aufnahmen in Genf 1954 machte. Diese Seite zeigt die Daten, an welchen diese historischen Aufnahmesitzungen stattfanden. Wallace’s Tagebücher der Decca Aufnahmesitzungen aus späterer Zeit sind die einzigen Quellen für eine exakte Datierung vieler Aufnahmen des Orchesters de la Suisse Romande.

Konzerthaus – 1957
Wir schließen diesen Teil der Ausführungen wieder mit einem Beispiel aus Wien. Hier sehen Sie eine Seite der Saalreservierungen im Konzerthaus während der Woche vom 18. bis 25. November 1957. Die unterstrichenen Eintragungen betreffen öffentliche Konzerte. Am Samstag und Sonntag (23. und 24. November) waren Aufnahmesitzungen vorgesehen. Weil das Konzerthaus als Hauptstudio für viele Schallplattenfirmen fungierte (einschließlich American Vox und Westminster), stellen diese Eintragungen bei der Datierung der Schallplattenaufnahmen dieser Firmen ein große Hilfe dar.

QUELLENVERKNÜPFUNG
Ich möchte diese Präsentation mit einer vergleichenden Quellenstudie beschließen, um herauszufinden, ob sich daraus schlüssig beweisen lässt, wann und wo die Aufnahmen, von denen die Rede ist, gemacht wurden.

Telefunken – 1932
Hier ist eine Aufnahmekarte aus dem Telefunkenarchiv, die wunderbarer Weise den Zweiten Weltkrieg überlebt hat. Das Datum der Aufnahmesitzung ist der 26. November 1932. Die entsprechenden Matrizennummern sind 18806 und 18807. Hier sehen Sie eine Seite aus dem Telefunkenprüfbuch, ein Dokument, das dem Matrizeneingangsbuch der DG entspricht. Beachten Sie, dass hier 18806 und 18807 mit dem Datum 1. Dezember 1932 aufscheinen, etwa eine Woche nach der aktuellen Aufnahme. Wiederum bestärkt dieser Beleg die Annahme, dass Matrizeneingangsbücher ein nützliches Hilfsmittel zum Auffinden des Aufnahmedatums sind.

Cleveland Orchestra – American Columbia, 1939
Hier ist die erste Seite des American Columbia Künstlerverzeichnisses das Cleveland Orchester betreffend. Das Datum in der Spalte „made“ ist aber nicht das der Aufnahmesitzungen selbst, sondern das Datum, an dem von den 16 inch Masteraufnahmen auf die 78er Masterplatten kopiert wurde. Diese Schallplatten wurden in Cleveland zwischen dem 11. und 14. Dezember 1939 aufgenommen. Wie wir sehen können, ist „Ein Heldenleben“ am 11. Dezember aufgenommen worden und nicht zum Datum des Transfers, am 10. Jänner 1940. Viele Columbia Künstlerbögen aus dieser Zeit weisen signifikante Unterschiede zwischen „made“, dem Überspieldatum und dem tatsächlichen Aufnahmedatum auf.

Robert Casadesus – American Columbia 1940
Unser letztes Beispiel ist aus den Columbia Technik- und Künstlerdokumenten, mit Informationen eines fremden Büros; solche Dokumente sind für europäische Diskographen zur Dokumentation von Jazz-Aufnahmen von essentieller Bedeutung. Dieses Fremddokument ist Formblatt „B“ der Amerikanischen Vereinigung von Musikern. Es zeigt auf, dass der Pianist Robert Casadesus einen Vertrag mit Columbia Records unterschrieben hat, in der er sich verpflichtet, drei dreißig Zentimeter-Platten (78er) während einer einzigen dreistündigen Aufnahmesitzung in der New Yorker „Liederkranzhalle“ zwischen 10 Uhr morgens und 1 Uhr nachmittags am 30. Dezember 1940 einzuspielen.

Hier haben wir die Seite der Columbia Technikabteilung vom 30. Dezember 1940. Die Firma war an diesem Tag sehr geschäftig. Nach der Aufnahme von Casadesus nahm Harry James vier 25cm-Seiten zwischen 6 Uhr 30 und 10 Uhr 30 am Abend ebenfalls in der „Liederkranzhalle“ auf. Fünf weitere Aufnahmen waren im Columbia-Studio (799 Seventh Avenue) für das Radio vorgesehen.

Zu guter Letzt kommen wir zum Aufnahmedatum. Und hier sehen Sie das Aufnahmeblatt: vier 16-inch Master-recording blanks wurden für diese Sitzungen benutzt. Anstelle der drei 30-cm Platten haben Casadesus und seine Produzenten die Musik auf eine 30-cm Platte und vier 25-cm Platten aufgeteilt. Hoffentlich hat das die AFM (American Federation of Musicians) nicht herausgefunden.

ZUSAMMENFASSUNG
Ich hoffe, dass dieser kurze Einblick in die interne Arbeitsweise der Aufnahmeindustrie während der 78er Ära sich als erhellend erwiesen hat. Die Freude an der Diskographie betrifft das Zusammentragen von Information genauso wie die Präsentation der Ergebnisse. Ich hoffe, Sie haben meine genossen.



www.vooch.at