Summary :
8.Diskografentag der Gesellschaft für Historische Tonträger Mai 2007
Ausgehend von einem internationalen Projekt unter der Leitung der Gesellschaft für Historische Tonträger, Wien, unter dem Titel : "Firmen- und Künstlerdiskografien der Schellackzeit unter besonderer Berücksichtigung der Unterhaltungsmusik" stellte der Leiter des Allgäu-Schwäbischen Musikarchives in Eglofs, Wolfram Benz, der ein Partner bei der Projekterstellung war, die Hintergrund- und Entstehungsgeschichte des Schlagers "Die Fischerin vom Bodensee" dar, seine Distribution und Rezeption, die in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts weit über den regionalen Raum des Bodensees hinausging. Gleichzeitig wurde eine Biografie des Komponisten und Textdichters Franz Winkler dargestellt.
Der internationale Charakter der Tonaufzeichnungsindustrie schon von seiner Frühzeit an, wurde von Pekka Gronow beleuchtet, der die Schellackaufnahmen der "labels" Grammophon, Odeon und weitere "labels" der Lindström-Gruppe auf dem skandinavischen Markt darstellte. Die ersten Schallplatten wurden schon 1899 unter Leitung von Sinkler Darby von der Grammophon Company in Copenhagen und Stockholm aufgenommen. Ab 1925 wird auch die neue Technologie der elektrischen Aufnahmetechnik eingeführt. Eine weitere wesentliche Veränderung des Schallplattenmarktes ergibt sich auch durch das Zusammenführen kleinerer und größerer "labels" zur Electric and Musical Industries Ltd (EMI) 1931. 1932 wird die Telefunken Platte Ges.m.b.H. gegründet, die Wiener Plattenfirmen fast vollständig dem Lindström Imperium einverleibt, sodaß sich 1937 im deutschen Markt zwei Firmen etabliert haben: Telefunken und Lindström. Die Relationen zwischen diesen Firmen und dem skandinavischen Markt werden durch Exportlisten der Jahre 1907 bis 1945 anschaulich dargestellt. Gleichzeitig wird ein Überblick über die Matrizennummern der Aufnahmesitzungen der "labels" Parlophone und Odeon in Skandinavien und deren Daten in Listen dargestellt.
Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Schlagertextes, im speziellen der Jux-und Nonsense Schlager der 20er/30er Jahre ist der Beitrag von Wolfgang Schneidereit, der den Titel: was machst du mit dem Knie, lieber Hans? Gesungen von Hermann Leopoldi, Text: Beda Musik:Richard Fall auf Odeon in den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellte.
Lucia Ludovica de Nardo von der Universität Udine, ebenfalls Teilnehmerin am internationalen Projekt der GHT, Wien, stellte ein speziell für alte Tonträger entwickeltes Archivierungsprogramm für Internetanwender vor, das Audioteca genannt wurde und auch für private Sammler anzuwenden wäre.
Rainer Künzler verwies in seinem Referat auf die Zusammenhänge altösterreichischer vor allem Wiener "labels" mit dem ungarischen Markt und untermauerte seinen Vortrag mit vielen Tonbeispielen.
Eine Reverenz an die "neue Zeit" waren die Schellackplatten, die sich mit dem Phänomen der Luftfahrt, dem Zeppelin, in vielfältiger Weise auseinandergesetzt haben. Rainer E.Lotz gibt einen kurzen historischen Überblick und mit Tonbeispielen wurden die diversen Stationen dieser spannenden Innovation von der "Rede des Grafen Zeppelin an das deutsche Volk" bis zum Untergang am 6.Mai 1937, an dem das Luftschiff "Hindenburg" mit 36 Menschen an Bord bei der Landung im amerikanischen Lakehurst in Flammen aufging, der durch eine aufregende Live-Radioreportage bis heute dokumentiert ist.
Pio Pellizzari erläuterte mit eindrucksvollen Beispielen die Fortschritte bei der Restaurierung von Schellackplatten mit Hilfe der photographischen Aufnahme und Wiedergabetechnik, die gemeinsam von der Nationalphonotek der Schweiz und der Universität Fribourg entwickelt wurde.
In einem workshop führte Claus Peter Gallenmiller verschiedene Möglichkeiten der digitalen Restaurierung von 78er Platten vor, Christoph M.Musialik ergänzte diese Ausführungen durch die Vorführung der speziellen software Programme der Firma Algorithmix.
In einem geselligen Zusammensein der Tagungsteilnehmer wurden von Claus Peter Gallenmiller vor Ort Tonaufnahmen mit einer originalen Studioeinrichtung auf Folien geschnitten.
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