HERBERT GRUY 1941–2026
Posted on 26. Feb., 2026 by Oliver Wurl in Allgemein
Am 28. Jänner 2026 verstarb das langjährige Mitglied der GHT Herbert Gruy im Alter von 84 Jahren. Der bekannte Sammler historischer Tonträger wurde am 27. September 1941 in Wien geboren und besuchte dort erst Kindergarten und Volksschule der Piaristen und danach Gymnasium und Handelsakademie. Sein gesamtes Berufsleben verbrachte er bei der Radiofabrik INGELEN – vom Nachkalkulanten, über Buchhaltungschef und Controller bis hin zum Geschäftsführer und schließlich Eigentümer der Liegenschaft. Privat fand er sein Glück in seiner Familie, er hinterlässt seine Frau, Kinder und Enkelkinder.
In früher Kindheit und Jugend galt seine Leidenschaft dem Fußballspielen. Nachdem sein Traum, Profifußballer zu werden, an der Notwendigkeit, eine Brille zu tragen, scheiterte, wandte er sein Interesse der Klassischen Musik zu, der Zeit seines Lebens sein Interesse und seine Liebe galt. Er besuchte regelmäßig die Oper und begann mit dem Aufbau seiner umfassenden Sammlung an historischen Tonträgern – mit dem Schwerpunkt auf Schellackplatten. Seine Musikalität und vor allem sein ungeheures Detailwissen wurde auch unter Fachleuten geschätzt und respektiert.
Herbert Gruys Sammeltätigkeit endete 2018 mit der Krebserkrankung seiner Tochter. Von nun an stand seine Familie im Fokus, sodass er sich von allen Aktivitäten zurückzog.
Seine Sammelleidenschaft konzentrierte sich auf den Operngesang, hier zumal auf Platten aus der Zeit und dem Bereich der Donaumonarchie. Neben Vokalaufnahmen fanden aber auch Platten von Instrumentalisten, Dirigenten, Schauspielern und Interpreten der Kleinkunst sein Interesse. Es ist der Wunsch seiner Kinder, dass diese in ihrer Größe und Substanz einzigartige Sammlung geschlossen erhalten bleibt.
Mit Herbert Gruy ist ein Sammler gegangen, dem es nicht nur um die Aquirierung großer Raritäten ging, sondern dessen Interesse vornehmlich dem Inhalt der erstandenen Objekte galt. Er besaß ein hervorragendes musikalisches Ohr, was ihn auch zu qualitätvollen Überspielungen von Platten seiner Sammlung für CD-Editionen befähigte. Seine musikalischen Vorlieben gingen weit über das Schellackplatten-Repertoire hinaus; bei einem unserer letzten Gespräche sprach er voll Begeisterung über die Vier Lieder op. 2 von Alban Berg, auch Janáček war einer seiner Favoriten. Sein enormes Wissen über Musik, deren Interpreten und auch über die Geschichte Wiens boten stets eine Basis für interessante Gespräche; sein Humor und seine Großzügigkeit werden mir in dankbarer Erinnerung bleiben. Sein Tod reißt eine schmerzhafte Lücke.
Eva Gruy-Seemann als Tochter und Axel Weggen
Copyright Sandra Tauscher

